http://www.malans.ch/de/portrait/geschichtefs/
19.07.2019 23:05:58


Geschichte



Schloss Bothmar
Lage

Zur Bündner Herrschaft gehören das Städtchen Maienfeld und die Weinbaudörfer Malans, Jenins und Fläsch. Alle sind klimatisch bevorzugt und deshalb wird das Gebiet auch etwa als „Garten Graubündens“ bezeichnet: Fläscherberg, Falknis, Gleckhorn und Vilan halten die kalten Winde wie eine Spalierwand ab, der Föhn bestreicht das ganze Tal und insbesondere die Talflanken. Von den Bergen bringen die Flüsse fruchtbare kalk- und tonhaltige Erde herunter, anderseits bilden sie auch eine Gefahr wegen Rüfen und Überschwemmungen. Darum sind die Dörfer etwas erhöht über der Talebene erbaut.

Die erste urkundliche Erwähnung von Malans erfolgte im Jahre 966; damals schenkte Kaiser Otto I. dem Bischof von Chur unter anderem ein Weingut in Malans, den "Küng". Unser Gebiet war aber bereits um 1200 v. Chr. besiedelt: Man fand 1974 im oberen Teil des Dorfes in einer Tiefe von 3.70 Metern eine Kulturschicht mit Hüttenlehm, Keramik und Tierknochen aus der mittleren bis späten Bronzezeit. Diese Schicht war später offenbar durch Rüfen zugedeckt worden.

Malans unter fremden Herren

Während der Feudalzeit wohnten auf Burg Wynegg verschiedene Vögte, welche Rechte in Malans und Jenins besassen: Die Ritter von "Winec", später die Freiherren von Vaz, die Grafen von Toggenburg; auf Klingenhorn die Herren von Matsch und andere. Bereits im 15. Jahrhundert wurden beide Anlagen verlassen und zerfielen (Wynegg allerdings wurde um 1600 durch Andreas von Salis neu aufgebaut, ist aber heute wieder eine Ruine). Die Vögte hatten nur beschränkte Kompetenzen, so waren sie z .B. zuständig für die Besetzung der Dorfgerichte und die Verhängung von Bussen (niedere Herrschaft). Schlimme Vergehen (z. B. Mord) aber ahndeten die Vögte auf Schloss Brandis in Maienfeld (hohe Herrschaft). Die Malanser und die Jeninser waren also zwei Herren Gehorsam schuldig.

Im Schwabenkrieg von 1499 standen die Brandiser, und mit ihnen die Herrschaftsleute, traditionsgemäss auf Seite Österreichs. Des Kaisers Niederlage wurde dann auch zur Katastrophe für die Herren von Brandis. Selber gefangen, das Städtchen Maienfeld besetzt, die Schlösser Vaduz und Brandis geplündert und gebrandschatzt! Bei Kriegsende kamen kostspielige Verhandlungen zur Wiedererlangung ihrer Besitztümer dazu. Die Freiherren mussten sich in grosse Schulden stürzen. Ein Verkauf der Herrschaft Maienfeld schien das Vernünftigste. Bald fand sich auch ein illustrer Käufer, Kaiser Maximilian selbst. Schon 1504 begannen Verkaufsverhandlungen. Die Nachricht darüber verursachte in den drei Bünden hohe Wellen. Man befürchtete, die machtgierige Hand des Kaisers könnte für das junge Staatswesen zu einer tödlichen Gefahr werden. In aller Stille verhandelten die Bündner mit den Freiherren von Brandis. 1509 kauften die Drei Bünde (Oberer oder Grauer Bund, Gotteshausbund und Zehngerichtenbund) gemeinsam den Brandisern ihre Rechte in der Herrschaft Maienfeld für 20'000 Gulden ab. An diese Summe hatte jeder Bund einen Drittel zu übernehmen. Die Herrschäftler als Mitglied des Zehngerichtenbundes zahlten auch einen Teil an den Loskauf ihrer Heimat. 1539 erfolgte noch die Ablösung von der niederen Herrschaft für 10'000 Gulden.

Da die Verwaltung des Untertanenlandes nach einem bestimmten zweijährigen Turnus durch die einzelnen Gerichtsgemeinden erfolgte, waren die Herrschäftler berechtigt, von Zeit zu Zeit den Vogt über sich selber zu bestimmen. Sie waren somit zugleich Herren und Untertanen! Für die Bündner war unsere Heimat also Untertanenland, die "Bündner Herrschaft" eben. Das blieb so bis zum Eintritt Graubündens in die Eidgenossenschaft im Jahre 1803.

Wochenmarkt

Wegen der durch Hochwasser gefährdeten Talsohle führte man im Mittelalter die grosse Durchgangsstrasse Deutschland – Italien im Churer Rheintal den gesicherten Hängen entlang, von der Luzisteig über Maienfeld – Jenins – Malans – Klus – Marschlins – Igis – Chur. Malans lag nicht nur an dieser wichtigen Verkehrsader; es war zugleich die letzte Station vor der Abzweigung ins Prättigau, also der natürliche Umschlagplatz für die lebensnotwendigen Güter in dieses Seitental. So wurde Malans zum Marktort. Es war die einzige Gemeinde im ganzen Zehngerichtenbund, die das Recht für einen Wochenmarkt besass. In den spärlichen Urkunden wird er als „Kornmarkt“ bezeichnet. Es wurde aber auch Gross- und Kleinvieh aufgeführt und nicht zuletzt ein reger Handel getrieben mit einheimischen Produkten, besonders mit Wein. So war jeden Donnerstag auf dem Dorfplatz, in den Lagerhäusern und den 12 Wirtschaften (!) viel Betrieb.

Als im Jahre 1859 die Eisenbahnlinie von St. Gallen nach Chur gebaut wurde, erkannten die Malanser die tödliche Gefahr für ihre Wirtschaft. Sie kämpften verbissen um den Standort des Bahnhofs und erboten sich, falls man die Station auf Malanser Gebiet baue, eine neue Strasse von dort ins Prättigau bis zur Klus zu erstellen. Doch aller Einsatz war vergebens und somit das Schicksal des Malanser Marktes besiegelt. Im Jahre 1864 wurde er zum letzten Mal abgehalten.

Patrizierhäuser

Die Wichtigkeit des Dorfes bewirkte den Zuzug von Bündner Adelsfamilien. Da waren einflussreiche Familien wie die Beeli von Belfort, die Brügger, Gugelberg, Guler, Hartmannis, Planta-Wildenberg, die Salis und Vonmoos. Sie spielten in der Bündner Geschichte eine wichtige Rolle und erbauten hier ihre repräsentativen Sitze: das Schloss Bothmar, die Plantahäuser, das Turmhaus, das Haus Amstein und andere. Das Geld dazu verdienten sie als Offiziere vorwiegend in Frankreich und Österreich, aber auch in Spanien, England, Neapel, in den Niederlanden. Oft warben sie in ihrer Heimat eigene Truppen an und zogen mit ihnen in die Fremde. Sie zogen den Sold für ihre ganze Kompanie oder ihr Regiment ein und entlöhnten die Truppe selber. Ausserdem waren sie die Bankiers ihrer Zeit: Wer im Dorf dringend Geld brauchte, suchte einen der Adeligen auf und bat ihn um einen Kredit. Wenn der Gesuchsteller die nötige Sicherheit in Form einer zu verpfändenden Liegenschaft leisten konnte, erhielt er in der Regel den Kredit. Mit diesen Einkünften (und wohl auch einer klugen Heiratspolitik) erbauten die Adeligen die hiesigen Sitze.